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Allgäuer Alpen CleanUP Days

Allgäuer Alpen CleanUP Days

In 210 selbstorganisierten Teams haben am vergangenen Wochenende über 500 Freiwillige an der Kampagne „Allgäuer Alpen CleanUP Days“ mitgemacht.

Liegen gebliebenen Müll sammeln, um die Umwelt und Heimat zu schützen, lautete die Mission. Ideengeber und Organisatoren sind Martin Säckl, Raphael Vogler und Simon Abele von der Initiative „Patron Plasticfree Peaks“. Nach der Premiere im letzten Jahr, waren sie sich sicher, dass auch 2020 genügend Müll in der Umwelt zu finden sein würde. Die Eigendynamik der Kampagne ist auf jeden Fall positiv zu beobachten: Haben 2019 noch 300 Freiwillige und 60 Teams mitgemacht, hat die Zahl der engagierten Müllsammler heuer deutlich zugelegt.

Unsere Weltnah-Redakteurin Valeska war mittendrin und natürlich voll dabei. Als Teil der „Winkel Waste Watchers“ hat sie die Starzlachklamm von Müll befreit.

 

 

„Winkel Waste Watchers“ im Einsatz 

„Keine fünf Minuten sind vergangen und schon rümpfe ich geekelt die Nase. Da stehe ich also, mit meinem linken Schuh inmitten eines großen, weichen Hundehaufens, dessen Duft mir gezielt in die Nase steigt“ sind Valeskas erste Erinnerungen. „Das ist der Anfang eines garantiert lustigen Tages“, amüsieren sich ihre Mitsammler. Und damit sollen sie recht behalten. Andi und seine Freundin sind beides Nordlichter und erst seit wenigen Wochen hier im Allgäu. So wie wir von Weltnah, lieben sie es, Zeit in der Natur zu verbringen und freuen sich immer über neue Gesichter. Internationaler Besuch aus Belgien machte die Truppe komplett. Die Müllsammelaktion stiftete insofern gleich mehrfachen Nutzen.

Mit speziell für die Aktion gefertigten, wiederverwendbaren Mülltüten und einer Zange zogen wir los und mussten nicht weit gehen, denn der Parkplatz scheint ein beliebter Abfall-Abladeplatz zu sein. Selbst die großen Müllcontainer bewahren offenbar nicht davor, dass der Müll achtlos in die Natur geworfen wird. Entlang der schmalen Wege zur Starzlachklamm mussten wir immer wieder die Abhänge herunterklettern – wo möglich. Offensichtlich sind Gefälle und Bäche beliebte Entsorgungsmöglichkeiten, um den unnötigen Ballst abzuwerfen: Lebensmittelverpackungen, Bonbonpapiere, To-go-Becher, kaputte Schuhe, … 

Dort wo es wieder flacher wird und das Kiesbett betreten werden kann, schwärmten wir aus. Keiner kam mit leeren Händen bzw. Tüten zurück. Die erste Toilettenecke, die alles andere als ansehnlich war, kam auch zum Vorschein. Details ersparen wir dir. Liegen gebliebene Plastikrohrteile und Sandpapier füllten die Tüten. An der nächsten Pausenbank, unmittelbar vor dem Eingang zur Starzlachklamm, fand sich das nächste Müll-Eldorado. Tief im Strauch waren versteckt Bierflaschen und Alu- und Plastikreste eines einst ausgiebigen Picknicks.

Besser wurde es glücklicherweise entlang des Klammweges, wobei das Glück gerade bis zur nächsten Pausenbank und Aussichtsplattform anhielt. So zog sich unser Weg fort und viele kleine sowie große Überraschungen hielten uns auf Trab.

 

 

Von skurril bis eklig

Von der Badehose, über Schuhsohlen bis hin zu Plastikrohren – Abfall in seiner vielfältigsten Form begegnete uns. Die Top-Liste wurde klar von Taschen- bzw. Feuchttüchern, Plastikverpackungen, Zigarettenstummeln und Flaschen bzw. Glasscherben angeführt. Neu im Sortiment, aber weniger als gedacht, fanden wir Mundschutze. Am widerlichsten waren Kothaufen – allerdings die von Menschen – die uns leider viel zu oft ins Auge stachen. Müll-Hotspots mit einem meterweiten Radius waren ganz klar Parkplätze, Sitzbänke und versteckte Ecken hinter Sträuchern oder Bäumen, die für das kleine und große Geschäft herhalten mussten.

Hinweise

 

„Heroes of the Starzlach“

Die Motivation war durch die „Plasticfree Peaks“-Kampagne und unser tolles Team ohnehin auf der Überholspur. Den Ritterschlag bekamen wir zusätzlich durch das viele, sehr positive Feedback von Besuchern der Starzlachklamm. Neugierig wurden wir beobachtet und jedes Mal freuten wir uns, wenn wir die Botschaft der Aktion verkünden durften. Ein paar Leute klatschten im Vorbeigehen sogar und dankten uns für den Einsatz, was uns wiederum ein Lächeln bescherte. Mit gegenseitigen Dankes-Salven überhäufte der Kassenwart uns und wir ihn, nachdem er uns wie mit größter Selbstverständlichkeit die Türe passieren ließ. Für ihn war es wiederum klar, dass er nichts für unser Engagement verlangen wollte.

 

Fazit am Ende eines langen Mülltages

Als wir an unserem Ausgangspunkt ankamen, dämmerte es bereits. Die Arme fühlten sich schwer an und alle waren hundemüde. Wir luden den Müll ins Auto, um ihn am nächsten Tag zu einer nahe gelegenen Sammelstelle zu fahren. Dort wird er gewogen und registriert. Die genaue Gesamtbilanz der gesammelten Müllmenge belief sich auf insgesamt 1.000 Kilogramm. Da viele Gemeinden die Abfallentsorgung direkt erledigt haben, muss allerdings mit einer gewissen Dunkelziffer gerechnet werden.

Eins steht am Ende eines langen CleanUP-Tages fest: Das wird nicht der letzte bleiben.

 

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Müllsammelaktion im Allgäu: Über 500 Freiwillige sammeln eine Tonne Müll
29 Tage zuvor

[…] Die ganze Geschichte vom Allgäu CleanUP Tag – welche Müll-Hotspots und besonderen Fundstücke uns begegnen und was für herzerwärmende Momente wir erleben – erfährst du in meinem Beitrag im Weltnah Online-Magazin. […]

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