Auf ein Neues: Von guten Vorsätzen und Optimierungswahn

von Jackie

Ich persönlich habe den Januar oft als einen stressigen Monat empfunden. Es ist der Monat für Neuanfänge, zum „Durchstarten“, der Monat für „Vollgas“ und „besser denn je“.

Egal wo man hinsieht und hinhört, überall geht es um Neujahrsvorsätze, das bessere Selbst und das Ablegen schlechter Angewohnheiten. Ich für meinen Teil bin im Januar immer noch so müde von Silvester, dass ich da nicht mithalten kann. Schneller, besser, höher, weiter – nee du, lass mal! 

Am schlimmsten fand ich daran immer, dass alles sofort passieren muss. Kaum hat die Uhr die Zwölf erreicht, sollte es losgehen mit den Veränderungen. Dabei hat die Zwölf auf der Uhr doch gar nichts mit mir und meinem Leben zu tun, denn eigentlich ist Zeit doch nur eine Illusion. Versteht mich nicht falsch, ich bin eine große Befürworterin positiver Veränderungen. Jedoch bin ich der Meinung, dass nicht alles auf einmal passieren muss und dass es dafür auch keinen Januar braucht. 

Falls es euch ähnlich geht und ihr euch diesen Januar irgendwie dazu gezwungen fühlt, etwas zu verändern, dann versucht es doch mal etwas langsamer anzugehen. Ich habe mir vorgenommen, noch umweltbewusster zu leben, doch das geht für mich nicht von heute auf morgen. Und das muss es auch nicht. 

Meine Vorschläge für das neue Jahr sind deshalb: 

  • Nachhaltiger leben im Rahmen der eigenen Möglichkeiten
  • Sich nicht mit anderen vergleichen
  • Auf sich selbst achten und bewusst Zeit mit sich selbst verbringen
  • Öfter mal rausgehen und durchatmen
  • Einen ganzen Tag im Monat nur genau das machen, worauf man in diesem Moment Lust hat

Große Ziele in kleine Etappen unterteilen

Das Problem, das ich beim Thema Neujahrsvorsätze beobachtet habe, ist, dass sie oft nicht lange halten. Deshalb ist es für mich besser, die Dinge langsam anzugehen und Stück für Stück etwas zu verändern. Ich werde nicht von heute auf morgen müllfrei leben und das ist auch in Ordnung, wichtig ist, dass ich kontinuierlich daran arbeite. Damit ich den Spaß an der Sache nicht verliere, setze ich mir lieber kleine Wochen- oder Monatsziele. Das fällt mir leichter als alles von jetzt auf gleich zu ändern. 

Ich fange zum Beispiel in der ersten Januarwoche an und setze mir als Aufgabe, beim Einkaufen bewusster auf die Verpackungsmenge zu achten. In der zweiten Woche gehe ich dann vor dem Supermarkt erst noch in den Unverpacktladen und hole mir dort alles, was verfügbar ist direkt ohne Verpackung. In der dritten Woche versuche ich dann beim Einkaufen und Kochen direkt darauf zu achten, welche Produkte gerade saisonal und regional verfügbar sind. In der vierten Woche beschäftige ich mich damit, welche Nahrungsmittel besonders umweltverträglich sind und welche ich lieber in Maßen genießen sollte. So baue ich mir Stück für Stück, ganz entspannt, ein nachhaltigeres Leben auf. 

Entschleunigen und Pausen einlegen

Auch wenn ich mir vornehme, jede Woche mindestens 5 Stunden spazieren zu gehen, muss ich mich nicht dazu zwingen. Wenn es mal eine Woche gibt, in der ich das nicht schaffe – sei es aus Zeitmangel oder weil ich mich einfach nicht danach fühle – dann ist das vollkommen in Ordnung. Nur weil ich es einmal nicht mache, heißt das aber nicht, dass ich es nie wieder mache. Und genau das ist der Punkt. Viel zu oft denken wir uns „ach, jetzt ist es auch schon egal!“, wenn wir es einmal nicht geschafft haben. Dabei sind Pausen ganz normal und auch wichtig. Wir sollten es uns selbst viel häufiger zugestehen, eine Pause zu machen und das nicht gleich als „Scheitern“ abstempeln. Denn wenn wir uns immerzu dazu zwingen, etwas zu tun, was uns eigentlich gut tun sollte, dann wird es uns irgendwann nicht mehr gut tun, weil es uns nur noch stresst. Hallo, Fitnessstudio und servus, Ernährungsumstellung! 

Also bitte nicht vergessen: Es muss nicht immer alles perfekt sein, du musst nicht ständig 100 % geben und wenn du die verdammte Schokolade essen willst, dann iss sie! Solange du dein Ziel im Blick behältst und deine Pause nicht als Anlass zum Aufhören nimmst, ist doch alles in Butter. 

Das Leben genießen

Jetzt mal Hand aufs Herz: Das Leben ist doch schon anstrengend genug oder? Musst du es dir selbst noch schwerer machen, indem du dich mit anderen vergleichst und ständig mehr von dir selbst erwartest? Ich glaube nicht. Ich glaube, dass das Leben vielmehr dazu dienen sollte, so viel zu genießen wie es irgendwie geht, so glücklich zu sein wie möglich und so viel zu erleben wie du willst. Also tu das, was dir gut tut! Vielleicht gönnst du dir mal einen Tag in der Natur nur für dich allein? Oder du kochst dir ein leckeres Abendessen, einfach weil du es verdient hast? Geb‘ doch einfach mal nur 80 % und tank stattdessen deine Energiereserven wieder auf. Du hast es verdient, dich wohlzufühlen. Du hast es verdient, nicht perfekt zu sein. Und du hast es verdient, das Leben zu genießen.  

Vielleicht gefällt dir auch

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
2 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments
netreisetagebuch
1 Monat zuvor

Wie recht du hast! Man sollte auch mal fünf gerade sein lassen. Und vor allem sollte man sich auch keine zu hohen Ziele stecken. Ansonsten ist man viel zu schnell gefrustet, wenn man merkt, dass das Ziel unerreichbar bleibt.

Liebe Grüße
Annette

Katja Wegener
Admin
1 Monat zuvor

Vielleicht ist es genau das, was uns das Virus erklären möchte. Höher, schneller, weiter wird unsere Welt nicht mehr funktionieren.
In diesem Sinne 🙂
Liebe Grüße
Katja