Das kannst du gegen Overtourism tun!

von Sophia

Mit dem Thema Overtourism, oder Übertourismus auf Deutsch, kommt man automatisch in Kontakt, wenn man sich mit den Problemen von Reisen in der heutigen Zeit beschäftigt. Wir klären hier was Overtourism eigentlich ist, wo es anfängt, welche Probleme es mit sich bringt und was du als Person dagegen machen kannst!

Was ist Overtourism eigentlich?

Die Problematik mit Tourismus ist schon seit Längerem bekannt, aber “seit Kurzem” hat sich der Überbegriff bzw. Extrembegriff Overtourism, auf Deutsch Übertourismus, etabliert. Overtourism ist eine Steigerung von Massentourismus. Als Overtourism wird eine Entwicklung bezeichnet, die Probleme zwischen Einheimischen und Touristen, und ökologische Probleme hervorbringt.

 

Bekannte Beispiele

Dann nehmen wir uns doch mal ein paar Städte als Beispiel, die laut vielen Statistiken am meisten von Overtourism betroffen sind und auch am meisten darunter leiden. Da haben wir beispielsweise Athen, Barcelona, Paris, Venedig,  Dubrovnik; und auch Berlin wurde einmal genannt. Doch natürlich sind nicht nur einzelne Städte, sondern auch ganze Regionen und Länder davon betroffen. Ein ganz bekanntes Beispiel dafür ist Bali, worüber auch die Reisebloggerin Ute Kranz von Bravebird einen Artikel verfasst hat. Hier könnt ihr “ihre” 7 Gründe nachlesen, warum man nicht Bali reisen sollte.

Aber auch kleinere Ziele, wie der Aescher – Das Berggasthaus im Alpstein (Schweiz)- leidet unter den Touristen. Der Berggasthof wurde durch National Geographic und Ashton Kutcher bekannt. Der Berggasthof landete einmal auf dem Cover der National Geographic, Kutcher empfahl den Gasthof seinen Facebook Followern und warb damit als einer von “20 geheimen Orte” und die Huffington Post befand das Restaurant 2014 als das interessanteste Restaurant der Welt. Und so geschah auch an einem kleineren Ort etwas damals noch völlig unvorstellbares – der Overtourism hielt Einzug und der Aescher wurde überlaufen. Wenn man sich z.B. Bilder vom Aescher anschaut, ist dies ein sehr gutes Beispiel dafür, wo die Problematiken oft liegen. Doch was sind überhaupt die Probleme von Overtourism?

 

Die Probleme von Overtourism

Hier unterscheiden wir jetzt mal zwischen…

  • … Sozialen Problemen – Probleme zwischen Einwohnern und Touristen

Oft fühlen sich Einheimische von Touristen bedrängt und fühlen sich in ihrer Heimat nicht mehr wohl; zu sehen ist dies an Graffitis wie “Tourist go home” oder “Tourist go, Refugees welcome”, die sich in den Großstädten immer mehr häufen. Touristen nehmen laut dem Empfinden der Einheimischen auch im Übermaß deren Plätze in Restaurants, Cafés, Einkaufsläden u.v.m. in Beschlag. In einer Stadt, die gänzlich von Overtourism geprägt ist, geht die Lebensqualität der Einwohner dadurch verloren. Auch die praktischen Alltagsdinge verkomplizieren sich für die Einwohner mit Touristenmassen, um ein Beispiel zu nennen: die Parkplatzsuche in vielen Städten. Du trägst als Einwohner öfters die negativen Konsequenzen, hast direkt aber nicht viel davon (Wirtschaft ausgeschlossen, da nicht jeder einen eigenen Laden besitzt).

  • … Ökologischen Problemen – der ökologische Fußabdruck

Reisen ist viel günstiger die letzten Jahre geworden; und leider sind davon auch Flüge betroffen. Doch nicht nur das, auch die Organisation und Planung einer Reise sind viel einfacher geworden, sodass mittlerweile Reisen fast jedem möglich gemacht wird. Und das heißt per se ja erst einmal nichts schlechtes, Reisen an sich sollte man allein schon wegen des Tourismus nicht verteufeln; doch unter der großen Anzahl an Reisenden befinden sich leider noch zu wenige Menschen, die sich aktiv mit ihrem ökologischem Fußabdruck auseinandersetzen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Reisen aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken ist (denken wir alleine nur mal an die Sozialen Medien), aber die wenigsten richtig nachhaltig damit umgehen. Die Umwelt bekommt das von uns allen zu spüren.

  • …. Strukturellen Problemen – fehlende Infrastruktur

Wie man bei dem Beispiel “Aescher in der Schweiz” sehen kann, fehlt den überlaufenen Orten oft einfach die richtige Infrastruktur. Nicht jede Destination kann aus Platzgründen/finanziellen Gründen oder anderen Gründen ausbauen.

 

Was kannst DU dagegen tun?

Natürlich kannst du als Einzelperson auch schon deinen Beitrag zum Schutz der Umwelt leisten. Der erste wichtige Schritt ist sich damit zu beschäftigen. Auch viele Städte und Regionen befassen sich mit dem Thema Overtourism und versuchen zu dezentralisieren. Die Städte werten andere Gebiete abseits der üblichen Hotspots auf und werben dann auch mit ihren “Second Best”. Hier sind ein paar allgemein gehaltene Tipps für dich:

  • Du kannst außerhalb der Hauptsaison reisen; das wirkt nicht nur dem Overtourism entgegen, sondern bringt auch dir sehr viel.
  • Überlege dir vielleicht zweimal in eine Stadt oder ein Land zu reisen, das gerade unter dem Problem Overtourism leidet.
  • Unterstütze die lokale Wirtschaft, indem du z.B. in Venedig keine venezianischen Masken kaufst, sondern bei einem Kurs eine eigene Maske herstellst
  • Vielleicht in den sozialen Netzwerken Bilder zeigen, ohne den Ort zu verraten, um mögliche “Nachahmer” davon abzuhalten, auch diesen Ort zu überlaufen. Alles fängt klein an.
  • Versuche das Schöne auch im Unbekannten zu sehen! Nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten sind schön.
  • Du kannst auch nachhaltige Unterkünfte buchen, oder gleich eine nachhaltige Reise.
  • Achte darauf wie und wohin du reist.

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Janina
7 Monate zuvor

Hallo und danke für diesen interessanten Beitrag!
Massentourismus sagte mir bisher was… Overtourism – davon hatte ich noch nie gehört.
Irgendwie erschreckend! Wir achten generell darauf ausserhalb der Saison zu reisen und meiden
sog. Hotspots =) Im Urlaub wollen wir es gerne eher ruhiger und gemütlich haben.
GlG,
Janina

Katja Wegener
Admin
7 Monate zuvor
Reply to  Janina

Sicher ist es schwierig besonders für vielen Familien außerhalb der Ferien oder unter der Woche eine Auszeit zu nehmen. Das ist sicher einer der Hauptgründe, warum es diese Massenanstürme gibt. Wenn noch dazu einzelne Ziele besonders beliebt sind, kommt es leider zu diesem Phänomen.
Ich bin mir sicher, dieses Jahr wird es leider einige Hotspots in Deutschland geben, die große Probleme bekommen.
Auch das ist ein Grund für uns den GREEN REGIO GUIDE mit kleine Zielen Abseits der Tourismuspfade zu schreiben.
LG Katja

Ilona von wandernd.de
7 Monate zuvor

Das Problem Overtourism ist mir aus meiner Heimatstadt Bamberg auch bekannt.
Allerdings muss ich sagen, dass es einen enormen Unterschied macht, welcher Art die Touristen sind. Sind es solche, die mehrere Tage da bleiben, nicht in großen Gruppen durch die Altstadtgassen drängen – und v.a. solche, die sich respektvoll verhalten?
Bei vielen hat man manchmal das Gefühl, sie halten die Orte für Freilichtmuseen, laufen mitten auf den Straßen und Radwegen, gehen auch nicht aus dem Weg und fühlen sich dabei im Recht. Sollen die anderen doch woanders lang fahren (ja, schon so gehört…). Da platzt einem echt manchmal die Hutschnur.

Ich versuche auf meinem Blog die Leute dazu zu bringen, sich Zeit zu lassen. Bewerbe kein “Florenz/Venedig/Bamberg/whatever an einem Tag”. Ich halte diesen Hop-on-Hop-off-Tourismus für besonders schädlich.

Katja Wegener
Admin
7 Monate zuvor

Ein sehr weitreichendes und interessantes Thema. Ich bin mir auch sehr sicher, dass wir regelmäßig weiter darüber berichten.
Diesen “Museumsgedanken” haben wir scheinbar hier in Bad Tölz auch immer öfter. Der offenbar deutlich stärker zu Tage tritt, wenn Gruppen unterwegs sind und es darum geht, dass man in kurzer zeit viel gesehen haben muss. Damit man da war.

Was ich eigentlich noch schlimmer finde, sind die Menschen, die sich respektlos allem gegenüber verhalten.
Ein Grund, warum wir dieses Magazin gegründet haben, denn wir möchten zeigen, es gibt auch andere Orte und andere Möglichkeiten genussvoll zu verreisen.

Wie schon geschrieben, ein weites Feld.

Lisa
6 Monate zuvor

Hallo Sophia,

spannender Artikel und so wahr! Ich war gerade in Bayern und was da am Königssee los ist.. In dem Zuge habe ich auch gelesen, dass es große Probleme bei dem Natural Pool über den einem Wasserfall gibt. Das ist ein richtiger Insta Hotspot geworden. Leute klettern da rein (mit pinkem aufblasbaren Flamingo!) und stürzen dann den Wasserfall runter oder müssen mit dem Heli rausgeholt werden. So bescheuert. Darum finde ich es sehr wichtig, dass man nicht auch noch Koordinaten angibt. In Südafrika zB führt das auch oft dazu, das Wilderer leichter auf Nashörner stoßen etc.
Ich kann mich leider nicht frei vom Overtourism machen, aber ich erkenne schon einmal das Problem und mache jetzt Babysteps in die andere Richtung! z.B. In der Nebensaison reisen – macht eh mehr Spaß 🙂

Liebe Grüße
Lisa

Sophia Wiesbeck
6 Monate zuvor
Reply to  Lisa

Liebe Lisa,

vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar!
Ja das habe ich auch schon des Öfteren gesehen und war immer wieder schockiert von dem Verhalten der Reisenden bei dem Naturpool beim Königssee.
Da sehen viele Personen in der Öffentlichkeit leider auch nicht ihre Verantwortung bzw. wollen diese nicht wahrnehmen.
Das ist toll, ich finde auch in der Nebensaison reisen macht viel Spaß – es ist preiswerter und viel weniger los 🙂

Viele liebe Grüße
Sophia

Lisa
6 Monate zuvor

Gerne doch 🙂

Jah, viele eifern den Influencern dann auch ohne Nachdenken nach. Mit Reichweite kommt halt auch irgendwie Verantwortung.

Jah, Nebensaison ist echt super 🙂

LG
Lisa